Es war einmal

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6.000 Jahre Neckarauer Geschichte

Die Auen an der Mündung des Neckars in den Rhein waren bereits seit der Jungsteinzeit, d.h. um 4.000 v. Chr.,  besiedelt, wie Steinbeile, ein Bronzering und Siedlungsreste am alten Friedhof belegen.

Die Römer hinterließen in diesem strategisch und militärisch wichtigen Fluss-Mündungsbereich ihre Spuren. Eine Jupitersäule, Gräber und der Burgus als Vorposten des Kastells Alta Ripa sind Funde aus der Zeit um 400 n Chr.

Im 6. Jahrhundert siedelten die Franken in Hermsheim und in Neckarau. Es wurde ein Königshof errichtet, der auf Weisung Kaiser Karls des Großen dem Kloster Altrip seine Abgaben entrichtete. Die erste urkundliche Erwähnung Neckaraus erfolgte in einer Urkunde König Ludwigs des Deutschen 871, mit der die Fischereirechte der Villa Naucravia dem Reichskloster Prüm in der Eifel und seinem „Vilialkloster“ Altrip zugesprochen wurden. Der so genannte Klosterhof Neckarau hatte um das Jahr 900 rund 150 Einwohner.

In den folgenden Jahren ging Neckarau an zeitweilig an das Hochstift Worms, zeitweilig an die Pfalzgrafen bei Rhein, wurde aber auch mehrfach an andere Herrschaften verpfändet.

Im 15. Jahrhundert, als Neckarau mit ca. 500 Einwohnern zur Kurpfalz gehörte, begannen die Aufzeichnungen im Neckarauer Dorfbuch, über die Pfarrei, das Neckarauer Gericht, die bäuerlichen Abgaben und die Gestellung von Kriegern.

Unser Verein erinnert mit einer traditionellen szenischen Bühnendarstellung „Neckarauer Historisches Gänßzinnß-Mahl“ einmal im Jahr an diese Zeit der „Natural- Steuern“, die an den Kurfürstlichen Hof zu entrichten waren.

Zur Zeit der Reformation und Gegenreformation hatte Neckarau etwa 700 Einwohner. Es wurde im 30-jährigen Krieg mehrfach – wie auch die Festung Mannheim – von kaiserlichen und schwedischen Truppen erobert, ausgeplündert und verbrannt. Zu Kriegsende war die Neckarauer Bevölkerung nur noch halb so groß. In 70 Haushalten lebten nur noch rund 300 Menschen.

In der folgenden Zeit wurde Neckarau von der Pest heimgesucht, die Herrschaftslinien und deren Religionszugehörigkeiten wechselten. In mehreren Kriegen – Französisch – Holländischer Krieg, Pfälzischer und Polnischer Erbfolgekrieg sowie zwei Koalitionskriege – wurde das „Insel-Dorf“ Neckarau von den Angreifern auf Mannheim – zumeist Franzosen –  gerne als Hauptquartier benutzt; zu dieser Zeit lebten in Neckarau ca. 900 Menschen.

Zwei wichtige Erinnerungen existieren aus dieser Zeit: Das große Gemälde im Rathaus-Wappensaal „Kampf auf der Neckarauer Gießenbrücke“, das die Vertreibung der Franzosen aus Neckarau durch die Österreicher am 18. September 1799 zeigt und der „Franzosenweg“ am Rhein-Strandbad.

Unser Verein erinnert jährlich mit einer „Franzosen-Suppe“ beim „Rosenmontag-Schmaus“ an diese Zeiten.

Mit Beginn des 19. Jahrhundert fiel Neckarau als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses an das Großherzogtum Baden. Es hatte damals 176 Häuser und 1154 Einwohner.

Die Industrialisierung erbrachte mehrere Ortserweiterungen. Die Gießenbrücke wurde 1853 durch einen Damm ersetzt. Es wurden die Eisenbahnlinien nach Heidelberg und nach Karlsruhe gebaut, Schulen eingerichtet, Vereine gegründet. Am 19. Oktober 1889 wurde das neue Neckarauer Rathaus eingeweiht. Neckarau zählte zu diesem Zeitpunkt 6.200 Einwohner. Heute sind es ca. 35. 000 (zu Neckarau gehören der „Almend-Hof“ und das „Niedere Feld“).

10 Jahre später lebten hier 11.204 Einwohner, darunter 689 allmendberechtigte Bürger. Am 1. Januar 1899 wurde die Eingemeindung Neckaraus nach Mannheim vollzogen. Wir gedenken dieses Ereignisses regelmäßig im Rahmen des Stadtteilfestes durch eine Bühnen-Darstellung der „Neckarauer-Stadt-Hochzeit“ mit dem Dorf Neckarau als Braut und der Stadt Mannheim als Bräutigam.

In den folgenden 25 Jahren erlebte Neckarau einen großen Aufschwung durch Ausbau der Infrastruktur, Erweiterungen der Wohn-, Gewerbe- und Industrie-Gebiete. aber auch die Nöte und Folgen des 1. Weltkrieges.  Neckarau mit Almenhof hatten damals 20.328 Einwohner, 220 Gewerbetreibende und 28 Industriebetriebe.

Die schlimmste Zeit mussten die Neckarauer von 1933 bis 1945 erdulden mit Verfolgungen durch die Nazionalsozialisten, schweren Bombardierungen, 841 Kriegs-Gefallenen und 76 Toten durch Luft-Angriffe; die Bevölkerung ging auf ca. 15.000  zurück.

Ab 1946 erfolgte  der Wiederaufbau. Das wirtschaftliche, soziale, kulturelle und gesellschaftliche Leben wurde durch neue Wohngebiete, Arbeitsplätze, soziale Einrichtungen, Vereinsgründungen, Sport- und Kultur-Stätten bis heute erfolgreich und beispielhaft entwickelt.

Unser über 125 Jahre altes Neckarauer-Rathaus-Ensemble ist mit  dem Bürgerdienst und den Heimatmuseen ein vorbildliches Dienstleistungs- und Kulturzentrum für die gesamte Bürgerschaft und erfüllt den Spruch seiner Grundsteinlegung:

Von diesem Haus soll gehen aus: Weiser Rat — wackre Tat — gute Saat!“

9 Bücher und Bildbände, die unser Verein in den vergangenen Jahren herausgebracht hat, bezeugen die reiche Geschichte unseres liebenswerten Dorfes und Vororts Neckarau. Wir empfehlen sie als anregende Lektüre, die sie im Buchhandel, aber auch bei uns erwerben können.